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LATVIJAS VĀCU SAVIENĪBA

Der FUEN-Kongress in Pécs

Anfang September fand der Kongress der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) in Ungarn statt, an dem die Vorstandsvorsitzende des VDL Ilze Garda teilnahm, und darin gibt sie einen kleinen Einblick.

Vom 7. bis 10. September fand der 67. FUEN-Kongress in der ungarischen Stadt Pécs statt, bei dem sich mehr als 200 Teilnehmende trafen, darunter Ilze Garda, Vorstandsvorsitzende des VDL.

Die FUEN vereint unter ihrem Dach diverse nationale Minderheiten in Europa und ist der Hauptvertreter der nationalen Minderheitenorganisationen und -interessen in Europa. Einmal im Jahr treffen sich Vertreter*innen der FUEN-Mitgliedsorganisationen auf einem Kongress in einem der europäischen Länder. Dies ist eine Gelegenheit, sich nicht nur über Neuigkeiten aus anderen Mitgliedsorganisationen und Minderheiten zu informieren, sondern auch Entscheidungen über die Interessen zu treffen, die die FUEN im politischen Umfeld auf nationaler und internationaler Ebene weiter vertritt. Dass auch der VDL bei der Veranstaltung dieser Größenordnung und Bedeutung vertreten war, ist ein Beweis für die erfolgreiche Zusammenarbeit von uns allen.

Gastgeber des diesjährigen FUEN-Kongresses war die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, die ein tieferes Verständnis der Situation und der aktuellen Angelegenheiten sowohl der ungarischen als auch der deutschen Minderheit ermöglichte.

Obwohl wir normalerweise nicht sehr ermutigende Nachrichten über den politischen Alltag in Ungarn hören, werden die Interessen von Minderheiten in Ungarn weitgehend berücksichtigt, und das Land unterstützt die Entwicklung der Minderheitenkultur und -identität auf verschiedenen Ebenen. Im Mittelpunkt standen auch Minderheitenschulen, in denen die Sprache eine aktive Rolle spielt. Beispielsweise werden in den Schulen der deutschen Minderheit 50 % der Unterrichtsfächer auf Deutsch unterrichtet. Außerdem gibt es in Ungarn einen Ombudsmann, der sich speziell mit Angelegenheiten von Minderheiten befasst und dafür sorgt, dass die Interessen von Minderheiten respektiert und gewahrt werden. Neben den praktischen Lösungen der Fragen bestätigt es auch, dass die Minderheiten in Ungarn wahrgenommen und respektiert werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen sich die Minderheiten langsam assimilieren und verschwinden, trägt Ungarns Weg Früchte und zeigt, dass es möglich ist, die Identität der Minderheiten zu fördern und zu bewahren. Beispielsweise nimmt die Zahl der Menschen, die sich in Ungarn als deutsche Minderheit betrachten, derzeit zu und hat rund  400.000 Menschen erreicht. Interessanterweise sprechen nur etwa 10 % von ihnen Deutsch.

Ebenfalls auf dem FUEN-Kongress wurde eine Resolution gefasst, in welchen Richtungen im nächsten Jahr gearbeitet wird, sowie welche Interessen verteidigt und zur politischen Diskussion gebracht werden. Wir nennen nur einige davon: Die Anerkennung der Katalanen und der anderen autochthonen Sprachgemeinschaften in Spanien als nationale Minderheiten und die Wahrung ihrer Interessen im Europarat; die Akzeptanz der muslimisch-türkischen Minderheit auf den Inseln Rhodos und Kos und die Wiedereröffnung ihrer zweisprachigen Schulen sowie die Erhaltung von Kulturdenkmälern. Ebenfalls enthalten ist eine Klausel über die Änderung der Gesetzgebung für russische Kindergärten und Schulen in Estland. Wie man sieht, handelt es sich bei den Problemen der Minderheiten in diesem Zusammenhang nicht nur um Fragen der Bewahrung historischer Identität und Kultur, wie dies im Kontext unserer deutschen Minderheit häufig der Fall ist, sondern auch um hochrelevante soziale und politische Probleme mit einem sehr hohen Konfliktpotenzial.

Ebenso der Krieg in der Ukraine ließ nicht unerwähnt. Die Fragen der ukrainischen Minderheiten und der Schutz ihrer Interessen in der Kriegssituation wurden ausführlich diskutiert. Die Ukraine ist aufgerufen, sich um ihre Minderheiten zu kümmern und dafür zu sorgen, dass sie auch unter schwierigen Umständen überleben und ihre Kultur und Identität bewahren können sowie nicht diskriminiert werden. Die drei Tage in Ungarn waren eine hervorragende Gelegenheit, die aktivsten Mitglieder der europäischen Minderheitenvereine kennenzulernen. Diese Tage haben gezeigt, dass die Minderheiten in Europa keine gefährdete Art sind, sondern sich aktiv für ihre Interessen und ihr Existenzrecht einsetzen. Die Minderheitenorganisationen haben sicherlich etwas zu sagen.